Historie

Die Geschichte der Berlin Beach Bastards begann mit einer Frage: „Kennst du eigentlich Beachsoccer?“, fragte mich mein damaliger bester Freund Alexander Leng. Das war im Jahre 2004. Er meinte, dass u.a. Cantona und Romario diesen Sport nach Karriereende betreiben. Ich war interessiert und wir buchten bei dem einzigen Anbieter in Berlin einen Universitätskurs in Sachen Strandfußball. Dort lernten wir unseren späteren Stadtrivalen Beachkick Berlin kennen.

An dieser Stelle muss ich gestehen, dass ich ein Turnier für Beachkick gespielt habe, bevor ich beschloss, ein eigenes Strandfußballteam zu gründen. Dem stand zu Gute, dass ich einen Job bei der damaligen FHTW Berlin als Fußballkursleiter annahm und viele hervorragende junge Fußballer kennenlernte, die nicht an einen Verein gebunden waren und zumeist eine gute Fußballausbildung genossen hatten. Ich pickte mir die besten Jungs aus dem Kurs heraus und überzeugte sie diesen neuen Sport mal auszuprobieren, immer mit dem Hauptlockmittel: die eventuelle Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft! So kristallisierte sich der bis heute bestehende Kern der Bastards um Peukert, Tannenberg und Zietzschmann heraus.

Da ich nebenbei in einem Verein Fußball spielte, fragte ich da auch noch einige Spieler und Tobias Hermann, Jörg Müller und Max Gaida zeigten sich ebenfalls sofort der Idee ergeben. Einen Torwart hatte ich zu diesen Zeitpunkt schon lange gefunden: meinen Mitbewohner und die spätere „Torwartlegende“ Christian Filusch.

BeachBastards versus BeachKick Volkspark Friedrichshain Berlin 2006
BeachBastards versus BeachKick Volkspark Friedrichshain Berlin, 2006

So buchte ich 2006 einen Startplatz bei einem „German-Masters“-Turnier in Friedrichshain mit diesen Jungs, die später noch für viele Überraschungen in der nationalen Beachsoccer-Szene sorgen sollten. Aber es fehlte noch ein Name… Dazu kurz: die meisten Strandfußballteams heißen alle gleich, „Beachboys Irgendwas“ oder etwas ähnlich Langweiliges. Da wir nicht die geborenen Strandfußballer waren, immer über dem Kampf gegen scheinbar übermächtige Gegner kommen mussten und ich auf einen speziellen Style stehe, lag der Namen sofort auf der Hand und alle waren einverstanden: BERLIN BEACH BASTARDS!

Bei dem Logo schwebte mir zuerst ein Werwolf im Kopf, später entschied ich mich für einen einfachen Wolf, der einen Ball in der Luft zerbeißen sollte. Jörg Müller, unser ehemaliger Stürmer und Grafiker setzte diese Idee um. Im ursprünglichen Logo war auch die Oberbaumbrücke mit dem Alexanderplatz im Hintergrund zu sehen. Damit sollte gezeigt werden, dass sich das Team aus West- und Ostberlinern zusammensetzt. Die Brücke und der Alex wurden später entfernt – warum, weiß ich nicht.

Die erste Überraschung ließ nicht lange auf sich warten und wir schlugen bei unserem ersten Strand-Masters die Berliner „Beachsoccerdinos“ von Beachkick Berlin in der Vorrunde mit 3:2! Niemand hatte uns das zugetraut – wir uns aber schon. Leider verpassten wir die DM-Qualifikation mit dem vierten Platz. Das sollte sich im nächsten Jahr definitiv ändern.

Noch im Spätjahr 2006 stießen mit Jens Wagner, Felix Einenkel und Michael Zarm sehr wichtige Fußballer zu den Bastards, ohne die alles Spätere niemals möglich gewesen wäre. Mein Arbeitgeber, die FHTW Berlin bot mir an, alles zu finanzieren, wenn wir bereit wären, unter dem Label der Universität aufzutreten. Wir entschieden uns dagegen: der Name war nicht käuflich! Wir finanzierten alle Turniere selbst! Ein Punkt, der mich immer noch mit Stolz erfüllt: die Unabhängigkeit von Vereinen, Universitäten oder Sponsoren!

Im Jahr 2007 kam es dann ganz dick. Mit diesem Kader holten wir die direkte Qualifikation für die DM als Team mit den meisten Qualifikationspunkten von ganz Deutschland! Besonders witzig war, dass wir ganz im Bastardstyle ein sozial besonderes Gemisch von Spielern darstellten, dem Punker, Hip-Hopper, Hippies oder sogenannte „Stinos“ angehörten. Das hatte man in dieser Sportszene noch nicht gesehen. Auch kristallisierte sich ein bestimmtes „Bastards-Gefühl“ heraus, denn eigentlich kannten wir uns alle überhaupt nicht, aber bereits nach den ersten längeren Fahrten stand für uns alle fest: Wir sind die Bastards, egal wer ihr seid und wir sind EIN TEAM, ohne Star oder Diva. Diejenigen, die dachten, sie wären etwas ganz besonderes, verließen uns schnell freiwillig; der Rest blieb… fast alle, bis heute!

Erste Teilnahme an einer Deutschen Meisterschaft im Beachsoccer

2007 also standen wir auf dem Feld in Düsseldorf, unserer ersten Beachsoccer-DM. Wir rechneten uns keine besonderen Chancen aus – wir waren schon allein auf die Qualifikation stolz. Das erste Spiel zeigte was wir können: wir holten einen zweimaligen Rückstand auf und gewannen mit dem Abpfiff 4:3 gegen einen verdammt starken Gegner. Das ich das vierte Tor nach Pass von Einenkel machte, kann ich mir an dieser Stelle nicht verkneifen. Im zweiten Spiel kam dann der Knaller! Unser Derbyrivale Beachkick Berlin stand uns gegenüber. Wir lagen ebenfalls zweimal zurück, ich konnte sofort ausgleichen, den Rest besorgten dann Tannenberg, Einenkel und Co. Wir düpierten Beachkick mit 5:2 vor den Augen der nationalen Beachsoccer-Szene! Das der Gegner später versuchte, ein 4:2 daraus zu machen, um eventuell über das Torverhältnis in die nächste Runde zu kommen, spricht für sich und muss nicht kommentiert werden. Im letzten Spiel der Vorrunde gingen wir sang und klanglos gegen Kassel mit 0:4 unter. So versprachen wir dem ersten Gegner einen Kasten Bier, wenn sie alles gegen Beachkick geben würden und das taten sie dann auch. So standen wir im Viertelfinale der DM!

Wir spielten gegen die Jungs aus Hassbergen und lagen schnell mit 0:2 zurück. Der Gegner spielte übermächtig gut und nur mit Mühe verhinderten wir, abgeschossen zu werden. Die mitgebrachten Fans aus Hassbergen nervten extrem mit ihrem Geschrei. Dann geschah das Unfassbare: Einenkel kämpfte den Ball irgendwie ins Tor zum 1:2. Kurz vor dem Abpfiff zog Zarm aus dem Mittelfeld ab, der Ball sprang zweimal auf und Tooooor: 2:2! Verlängerung! Wir konnten es ehrlich gesagt selbst nicht fassen. Ein verrückter Sport..! Aber es kam noch besser: Der Modus war das Golden Goal. Zarm nahm den Ball, ging an zwei Spielern vorbei und machte es! Halbfinale! Wir lagen alle auf Micha und uns gegenseitig vor Freude in den Armen.

Das Halbfinale war für uns alle ebenfalls unvergesslich. Unter Flutlicht trafen wir auf die Brasilianer, dem aktuellen zweimaligen Deutschen Meister aus München. Keine Chance für uns, aber wir verkauften uns sehr gut. Am Ende stand es 5:1 für die Münchner. Tannenberg machte nach Pass von Peukert unseren Ehrentreffer. Das Beste an diesem Spiel war, dass uns unsere Freunde von den „Beachboys Oranienburg“ anfeuerten und zum allerersten Mal hörte man die Rufe: „Beach Bastards, Beach Bastards“ Ich bekomme immer noch Gänsehaut wenn ich daran denke! Nur aus Respekt vor den Jungs hier der Kader, der das Halbfinale der DM erreichte: Torwart: Christian Filusch. Defense: Martin  Peukert, Tobias  Herrmann, Michael Zarm, Robert Lohsert. Offense: Felix Einenkel, Robert Tannenberg, Jens Wagner.

DM 2008: Aus in der Vorrunde

Aber wer schnell hoch steigt, kann verdammt schnell tief fallen. Das mussten wir am eigenen Leib bitter erfahren. Da wir als Vorjahres-Halbfinalist für die DM 2008 schon qualifiziert waren, gingen wir die Saison extrem entspannt an und erreichten leider nicht die Erfolge des Vorjahres. Trotzdem waren unsere Fahrten immer genial, auch wenn der sportliche Erfolg manchmal sehr zu wünschen übrig ließ. Wir lernten einfach nicht aus unserer Erfahrung, obwohl wir sogar feste Trainingszeiten hatten.

Das ist das Kuriose daran: ohne Training oder Erfahrung erreichten wir mehr als wir wollten, mit Erfahrung und Training gingen wir teilweise sehr peinlich unter (z.B. Norddeich 2008)! Bei der DM 2008 kamen wir dann auf den Boden der Realität zurück, obwohl wir in Topbesetzung, fit, eingespielt und vor allem verdammt nüchtern waren: Das Aus in der Vorrunde! Die Enttäuschung war riesig bei uns. Vielleicht sollte man Beachsoccer einfach nicht zu ernst nehmen!

Wir reisten viel und gern; manchmal nur, um den Berliner Standardgegnern zu entgehen, gegen die man so oft antreten musste:

  • Aartalsee (bei Marburg)
  • Norden-Norddeich
  • Tankumsee
  • Halle
  • Leipzig
  • DM in Düsseldorf (Minden)
  • DM in Wadgassen, Saarland

Dazu kommen die Standardturniere in Oranienburg und Velten, an denen wir unzählige Male teilnahmen und meistens das Halbfinale erreichten.

Dank Futsal zum Doppelbetrieb

Dann bekam ich einen neuen Auftrag von der frisch umbenannten HTW: „Erkläre den Hallenfußballern bitte Futsal, weil sie unsere Sporthalle demolieren!“ Ich wusste ehrlich gesagt nicht viel über Futsal, begann mich zu belesen und zu informieren.

Es machte echt Spaß und ich organisierte ein historisches Bastardstreffen im White Trash! Dabei war der „harte“ Kern um Wagner, Einenkel, Tannenberg, Zietzschmann und meiner Wenigkeit. Die Abstimmung über Futsal war kurz und einstimmig: wir beschlossen, einen „Doppelbetrieb“ zu spielen – mit Futsal in der Berliner Liga und Beachsoccer. Wir entschieden uns auch dafür, unter dem Namen der HTW aufzulaufen, solange wir unsere Trikots tragen dürfen.

Dummerweise überschnitten sich sehr oft die Termine, so dass der Strandfußball erheblich darunter leiden musste. Das berühmteste Beispiel war, als wir in Velten im Masters-Achtelfinale standen und der halbe Kader uns verlassen musste, um schnell nach Berlin-Zehlendorf zum Futsal zu fahren. Echt crazy, Freunde. No fear! wir verloren übrigens beide wichtigen Spiele.

Die erste Futsal-Saison war für uns eine reine Lehrsaison, wir mussten uns erst einmal an das Regelwerk gewöhnen, den Kader vergrößern und nebenbei halt noch Beachsoccer spielen. Dazu kam, dass Dinge wie Verletzungen, Familiäres oder Berufliches unseren Kaderspielern zu schaffen machte. Dazu zählen definitiv der Verlust unserer „Torwartlegende“ Christian Filusch, die schwere Verletzung von Felix Einenkel, der damals kurz im Gespräch für die Beachsoccer-Nationalmannschaft war, sowie der spätere Abgang von einem der besten und fairsten Abwehrspieler: Martin Zietzschmann.

Dafür gewannen wir neue Spieler wie z.B. Frank „The Tank“ Reinhardt hinzu, der sich später zum Kader- und Führungsspieler mauserte. Persönlich war ich sehr froh endlich jemanden zu haben, der die Beachsoccer-Freistöße tatsächlich FLACH ins Tor befördern konnte.

Positiv ist zu sagen, dass Robert Tannenberg begann, einen Großteil der Organisation zu übernehmen, weil ich das nicht mehr alleine schaffen konnte. Das Projekt wurde dank all unserer Teammitglieder, die immer an das Projekt geglaubt haben, einfach zu groß. An dieser Stelle möchte ich gerne Jens Wagner erwähnen, der wirklich ALLES mit den Bastards mitgemacht hat, obwohl er vorher niemanden aus dem Team kannte. Heute ist Jens aus dem Team nicht mehr wegzudenken! Robert jedenfalls sorgte dafür, dass wir regelmäßige Trainingszeiten über die HTW bekamen und verdammt gute Sparringspartner fanden. Auch kümmerte er sich darum, dass wir uns geniale Trikots kaufen konnten, denn in diesen Punkt waren wir uns auch immer alle einig: Style muss sein und bestimmt nicht der „Stino“, halt wahre Bastards! In den Fragen des Styles waren wir uns auch immer einig, wobei Robert auch immer  einen verdammt guten Geschmack bewies. Die Trikots wählten wir ebenfalls im Treffen ganz demokratisch aus. Einstimmig! Halt Bastards!

Im Futsal schafften wir dann im zweiten Anlauf den Aufstieg in die zweithöchste Spielklasse – aber auch nur als Tabellenvierter. Das einzige wirklich gute Spiel von uns war das Niederkämpfen von Türkiye. Dieses Spiel zeigte erneut unsere Moral und Kampfkraft. Die anderen Spiele gewannen wir meist knapp mit 3:2, wobei Frank „The Tank“ mehrfach für die Entscheidung in buchstäblich letzter Sekunde sorgte und er damit bewies, wie enorm wichtig und wertvoll er für unsere Mannschaft ist.

Teamrat: Schnell und demokratisch

Auf Grund der Größe des Projekts und den damit verbundenen Schwierigkeiten fertig zu werden gründeten wir einen Teamrat, um die dringendsten Probleme schnell und demokratisch zum Wohle des Projekts zu lösen. Der aktuelle Teamrat besteht aus: Jens, Robert, dem Tank und mir. Leider fehlen uns immer noch Martin Zietzschmann und Felix Einenkel, die definitiv dazu gehören. Wir hoffen sie bald wieder in unseren Reihen begrüßen zu können. Momentan versuchen wir, einen ausgeglichenen und stabilen Kader zu formen, um in einer sehr elitären Liga mithalten zu können und nebenbei wieder im Beachgeschäft mitmischen zu können. Auch sind wir sehr stolz, immer wieder neue Spieler in unseren Reihen zu haben, die das Projekt weitertragen. Ohne Diese könnten wir heute nicht so weitermachen und das Projekt würde still stehen.

Den aktuellen Kader könnt Ihr unserer Homepage entnehmen. Wo der Weg hinführt, wird die Zukunft zeigen. Auf jeden Fall möchten sich die Bastards bei allen Menschen bedanken, die uns in all den Jahren unterstützt haben. Ohne die sportliche und materielle Hilfe wären wir nicht da, wo wir heute stehen.

Thanx

Von Martin Peukert, gewidmet allen Bastards

„Wann immer uns die Gegner für schwach halten, sind wir am gefährlichsten! Wann immer sie uns unterschätzen, werden wir sie schlagen!”

Die Bastards möchten sich bei folgenden Personen bedanken

  • Bernd Sarnighausen (für die immensem finanzielle Hilfe rund um den Futsal, egal ob Training, Akquise, Torwarthandschuhe, Schienbeinschoner etc.)
  • Marco Lehmann (für das jahrelange Bereitstellen seines privaten Autos bei all unseren Reisen)
  • Tobias Hermann (für seinen jahrelangen sportlichen Einsatz im Zeichen der Bastards)
  • Jörg Müller (für seinen sportlichen Einsatz zu Beginn der Bastards und das Erstellen unseres Logos)
  • Max Gaida (für seine treffsichere Hilfe bei unserer ersten DM-Qualifikation)
  • Rico Einenkel (für seinen lautstarke Unterstützung bei so manchem Spiel)
  • Andrea Robert (für das Ausleihen ihres Navigationssystems bei einigen Fahrten)